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Epilog: Der Mythos des heiligen Gral
Ein Text von Ekkehard Roepert
Alles was durch Hervorhebung
gekennzeichnet ist, das sind die Themen des Amfortas-
Projektes, die wir mit Sensei Peter üben, aussitzen,
durcharbeiten, durchstehen und durchgehen wollen.
Parzival illustriert die Geschichte des
Erwachens, das in der Begegnung mit Amfortas
geschieht.
Wie viele, die etwas anderes erleben wollen, als
eine Wiederholung ihrer Konditionierungen, bewegt sich Parzival
erst mal orientierungslos durch die Welt. Weil er aus seinen
Konditionierungen heraus handelt, macht er das, was sein
Leid fördert. Er küsst die Frauen wie seine Mutter,
hält sich an die höfischen Regeln und ist daher nicht
offen für die Welt, etc. Er empfindet seine Suche nach dem
Gral selbst als Kreisbewegung. Eines seiner großen Probleme:
Parzival gehorcht den Verhaltensregeln seiner Mutter, die für
ihn und von ihm vor allem eines will: Sicherheit.
Er soll bei ihr bleiben oder zumindest immer
wieder zu ihr zurückkommen. Weil Parzival in seinem
höfischen Kokon lebt, stellt er keine Fragen, die die
Gewohnheiten in Frage stellen. Er fragt vor allem nicht nach
dem Leid anderer, er zeigt kein Mitgefühl; ist nur damit
beschäftigt, seinen Ruhm zu mehren und heldenhaft Frauen zu
retten.
Weil er nicht wirklich weiß, wonach er
sucht, verpasst er seine Chance, als er Amfortas begegnet. Amfortas
ist der durch Leiden wissend gewordene Sohn des Titurel. Titurel
ist der Ahnherr des Grals. Das oberste Gesetz des Grals lautet:
Liebe statt Kampf.
Amfortas hat selbst gegen dieses Gesetz
verstoßen. Jetzt ist er einem tödlichen Leiden
ausgesetzt, könnte aber, von Parzival gerettet werden - durch
eine einzige Frage: »Woran leidest Du?«
Der unbewusste Antrieb der Parzival-Energie in
uns ist die Sehnsucht, Amfortas von seiner Wunde zu heilen. Oder
uns selbst zu heilen, indem wir Amfortas verstehen. Doch um das zu
erkennen, müssen wir wie Parzival erkennen, wer wir
sind.
Wir müssen mit Parzival die Fragen
klären: Wie verhindern wir durch Etikette und
»höfliches« Benehmen den direkten Zugang zur
Wirklichkeit? Und wie befreien wir uns von Konditionierungen, die
uns am Sein hindern?
Wichtigste Übung dabei ist das: DA
SEIN. Erst als Parzival DA ist, in der Gralsburg bewusst
angekommen ist, können die ruhen, die seine Hilfe brauchen.
Parzival ist deshalb so lange nicht DA, weil er seine Vergangenheit
nicht kennt und nicht klärt. Daher: Klärung. Daher
manchmal wohl auch so einfache Fragen von Dir, wie: Wann ist Dein
Großvater geboren, wer war in welchem Krieg, etc.
Parzival ist lange nicht fähig, auf seine
Potentiale zu blicken. Er ist beleidigt. »Für mich
gibt es keine Osterfest«, sagt er. Er ist nicht mit Zen-Denken
vertraut und dem Wissen der Bedingtheit aller Dinge. Ergo
glaubt er nicht an den Wandel, an die Leerheit der Dinge und
daher nicht an »sein Osterfest«.
Wichtigste Lektion Parzivals ist, die Kultur
des Namaste zu lernen. Nur so kann er wie Amfortas durch sein
eigenes Leid wissend werden.
Auf der körperlichen Ebene kann die
Verbeugung (das Namaste) nur gelingen, wenn man sich vorher
ganz aufrichtet. Eine vollkommene Verbeugung gelingt nur aus der
vollkommenen Aufrichtung.
Aufrecht sein hat darüber hinaus den
Vorteil, den Kopf oben zu tragen, was sich unerschrocken und
geradlinig anfühlt. Wer sich zur vollen Größe
aufrichtet, nimmt den Raum ein, der ihm zusteht. Für
mich ist das die Grundübung des friedvollen Kriegers: Die
universale Haltung der Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit zu
praktizieren. Ist auch eine Grundübung des Thai Chi.
Namaste!
Ekkehard Roepert
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