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Der Weg der Zen-Praxis
Einer der mittlerweile stark vom Mainstream
okkupierten Wege der Bewusstheit ist der Zen- Weg. Es geht ihm
nicht viel anders als dem Yoga, das von einer spirituellen
Tradition der Transzendenz und Transformation zum gymnastischen
Gesundheitsangebot reduziert wurde. Ich denke viele, vielleicht die
meisten Menschen assoziieren mit Zen (nur) Meditation, Achtsamkeit,
mentale Stärke, innere Ruhe, Gelassenheit und
Friedfertigkeit.
Doch das ist nicht Ziel des Zen. Meister Dogen
sagt dazu:
»Den Weg zu studieren heißt sich
selbst zu studieren, sich selbst zu studieren heißt sich
selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet eins zu werden
mit allen Existenzen.«
Das ist nun wirklich etwas ganz anderes als
mentale Stärke oder Achtsamkeit. Es ist nichts anderes als
vollkommene Bewusstheit und Vollendung.
Ich vermute, dass die meisten Menschen, die sich
für Zen interessieren, sich dessen nicht bewusst sind. Sie
suchen nach der Stärkung des eigenen Ich und nicht wie das Zen
nach dessen Überwindung.
Die Essenz des Zen ist der Buddha-Geist, der
erwachte Geist, vollkommene Bewusstheit. Der Name Zen leitet sich
ja aus dem Chinesischen Chán ab. Das Schriftzeichen, mit dem
Chán und Zen ausgedrückt werden (禅), bedeutet auch
Geist.
Zen taugt nicht zum Marketinginstrument und ist
auch keine Methode der Persönlichkeitsentwicklung, sondern ein
Weg der Bewusstheit und des Erwachens.
Die häufigsten Einwände gegen eine
grundlegende Zen-Praxis sind:
-
Mir geht es doch gut, warum sollte ich etwas ändern?
-
Hier bei uns im Westen funktioniert das nicht.
-
Ich muss erst mal meine Probleme lösen.
-
Meine Kunden / Partner haben dafür kein Verständnis.
Das erste und zweite Argument kommt meist von
Menschen, die Zen noch nie wirklich praktiziert haben und zeugt von
einer gewissen Arroganz, Ignoranz oder schlichtweg Kurzsichtigkeit
gegenüber einer alten Tradition, deren Praktizierende immer
wieder Besonderes geleistet haben. Und es hat wohl auch etwas mit
der Boomer- Haltung zu tun.
Das dritte und vierte Argument zeugt von
Unkenntnis der Potentiale der Zen-Praxis und wohl auch von der
mangelnden Bereitschaft, sich selbst in allem Tun zu
hinterfragen.
Nun ist Zen weit davon entfernt, jemandem die
Welt erklären oder gar die Welt retten zu wollen. Nur wer sich
für diesen Weg der Bewusstheit interessiert, sollte sich
darüber Gedanken machen, ob er einen solchen Weg auch wirklich
gehen will oder sich in seinem Leben nur ein wenig besser
einrichten will.
»Die wennigsten Coaches und Berater
und auch die wenigsten Therapeuten haben ein Verständnis
für das eigentliche Anliegen des Zen - und können es
auch, der Enge ihres Gesichtswinkels wegen, nicht
haben.
Aber es ist ihnen ein Leichtes, das im
Sinne ihrer eigenen Blickrichtung Unzureichende in den Texten und
Gedanken zu entdecken, ohne eigene Wege anbieten zu
können, die zu Einsichten und Antworten auf die Frage nach dem
Ursprung des Lebens und der eigenen Existenz
führen.«
Der Weg der Bewusstheit, des Zen und der Mystik
ist der Weg von der Effizienz und Effektivität zur Hingabe und
dem Sich-Weihen, von der Ich-Zentriertheit der eigenen Person zum
Bewusstsein der Einheit des Seins, von der Individualität zur
Demut.
Wer nach innerer Freiheit und vollkommener
Bewusstheit sucht, wird sie finden. Wer Erleichterung sucht, wird
enttäuscht sein.
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