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Der Daoist
Das Dao, von dem man reden kann, ist nicht das ewige Dao.
Der Name, den man ändern kann, ist nicht der ewige Name.
Der Daoist, der im Einklang mit dem Ursprung des Seins zu leben sucht und darin seinen
Lebensweg erkennt, weiß, dass man die ewige Wahrheit, die philosophia perennis, mit Worten
nicht beschreiben kann, man kann sie nur erfahren. Der Daoist weiß um die Unbeschreiblichkeit
des Seins, darum gibt er dem Gegenüber selten konkrete Übungsanleitungen oder Regeln an die
Hand, auch Ideale oder Gebote finden sich nicht, dafür aber eine Fülle von Anregungen,
Impulsen und manchmal verwirrenden Fragen, die einen berühren können.
Das Dao lehrt, dass wir unser Glück nur in der Rückbesinnung und Rückbindung an den
Kosmos finden können. In seiner Praxis und bei allem, was er tut oder sagt, kommt es dem
Daoisten daher stets auf geistige Klarheit, Wahrhaftigkeit und Wesentlichkeit an.
Der Daoist besitzt seine Wahrheit nicht. Er schafft mit dem, was er sagt, einen Raum der Sinn-
Freiheit, in dem neue Ansichten, Erfahrungen und neuer Sinn entstehen können. Es sind
Gedanken, die beständig selbst überschritten, selbst transzendiert sein wollen, so, wie
Wittgenstein es in seinem Traktatus beschreibt:
»Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig
erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist. Er muss sozusagen die
Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.«
Die Arbeit eines Daoisten wirkt wie ein Katalysator, ein Feuerwerk von Impulsen, das den
Zuhörer oder Leser etwas entdecken lässt, was schon immer in ihm geschlummert hat und von
dem er »eigentlich« schon immer wusste, es führt ihn zurück zur eigenen Lebensquelle, wo er
sich lebendig fühlt und Kraft, Befreiung und Lebensfreude findet.
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