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Bewusstheit und Erkenntnis
Immer wieder gerät in den Diskussionen oder
Gesprächen über Zen in Vergessenheit, dass das
letztendliche Ziel des Zen das Erwachen ist. Eine Aussage, die mehr
Fragen aufwirft, als sie Antworten gibt. Dabei ist Erwachen nichts
Magisches, nichts Mystisches und nichts Heiliges. Schon der
große Meister des Zen, Boddhidarma, antwortete auf die Frage,
was Zen sei, mit den Worten:
»Offene Weite, nichts von
heilig.«
Was also ist Erwachen? Meine Meisterin Charya
formulierte es so:
»Zu erkennen, ich kann nichts tun,
wissen, es ist besser, sich dem Strom anzuvertrauen, nenne ich
Hingabe. Zu erkennen, es hat mich als Ich nie gegeben, nenne ich
Erwachen. Zu erkennen und zu erfahren, ich bin Bewusstsein, ohne
Grenzen, ohne Form, ohne Namen, absolut frei, nenne ich
Erleuchtung.«
Drei einfache Sätze, die einleuchtend
klingen und doch schwer zu leben sind. Letztendlich sind Erwachen
und Erleuchtung nichts anderes als Bewusstheit und die
Fähigkeit, die Welt so zu sehen, wie sie in sich beschaffen
und wie sie wirklich ist, also reines Gewahrsein.
Die Praxis des Zen verhilft uns zu genau dieser
Erkenntnis und letztendlich Erfahrung.
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Die Illusion von Realität
Aber genau das glaubt derjenige auch, der sich
vielleicht das erste Mal den Gedanken und der Essenz des Zen
nähert, nämlich, dass er die Welt so sieht, wie sie ist.
Es ist eine große Herausforderung zu akzeptieren, wenn einem
jemand sagt, dass man die Welt nicht wirklich sieht.
Es ist für die meisten Menschen kein
Leichtes zu erkennen, dass sie die Welt nicht sehen, wie sie
wirklich ist, sondern nur wie durch einen dichten Schleier, der
ihren Blick trübt und ihre Sicht so sehr einschränkt,
dass sie nicht in der Lage sind, Details und Einzelheiten zu
erkennen. Genauso wenig, wie sie Situationen oder Ereignisse in
ihrer gesamten Komplexität wahrnehmen könnten. Es ist,
als würden sie die Wirklichkeit nur verschwommen ahnen
können.
Lassen sie sich aber einmal auf die Praxis des
Zen ein, folgt man den gedanklichen Vorstellungen (was nicht
bedeutet, dass man irgendetwas tun müsste), dann erkennen
diese Menschen leicht, wie sehr sie durch Konditionierungen,
falsche Wahrnehmungen, mentale Konstrukte, Bedeutungsgebungen und
Identifikationen daran gehindert sind, die Wirklichkeit in ihrem
ganzen Umfang als solche zu erkennen. Das Schwierige ist daher,
sich ein erstes Mal darauf einzulassen und den inneren Widerstand
zu überwinden, der sich unweigerlich bei der Vorstellung
einstellt, man sei nicht in der Lage die Wirklichkeit zu
erkennen.
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Sicherheit gibt es nicht
Denn letztendlich bedeutet dies, dass man
vielleicht sein Leben lang in einer Illusion von Realität
gelebt hat. Und weil die falschen Vorstellungen, die man in seinem
Leben hat und auf denen man sein ganzes Leben aufbaut, ein
Gefühl von Sicherheit vermitteln, fällt es schwer diesen
Weg des Erkennens konsequent weiter zu gehen, bedeutet es doch,
dass wie bei einer Zwiebel Schale um Schale eine falsche
Identität und falschen Vorstellungen von einem selbst
aufgelöst werden.
Was nicht bedeutet, dass einem besser gefallen
würde, was darunter zum Vorschein kommt, solange man nicht zum
letztendlichen Kern, dem ursprünglichen Wesen des eigenen
Selbst vorgestoßen ist.
Da verwundert es nicht, dass es den Menschen, die
persönlich oder beruflich gescheitert sind, viel leichter
fällt, sich auf diesen Gedanken des Zen einzulassen,
schließlich haben sie nichts mehr zu verlieren.
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