|
Die Entwicklung des Dao-Zen
Um die Entwicklung des Dao-Zen zu verstehen muss
man wissen, dass ich Zen nicht zu praktizieren begonnen habe, um
ein Satori-Erlebnis zu erlangen, sondern weil ich ein Satori-
Erlebnis hatte, es aber in meine Lebenswirklichkeit, mein Welt- und
Selbstbild, nicht einzuordnen wusste und auch emotional nicht damit
umgehen konnte. Aber ich wusste intuitiv, dass sich etwas
entscheidendes in meinem Leben verändert hatte und dass es nie
mehr wie früher sein würde.
In den Gedanken des Zen fand ich die Darstellung
dessen, was ich erlebt hatte und ich lernte, diesen
Bewusstseinszustand zu akzeptieren und vor allem in meiner
beruflichen Arbeit zu nutzen. Ich begann, die Ereignisse in meinem
Leben, mein eigenes Leben, das Verhalten der Menschen und das Leben
an sich auf eine neue, andere Art wahrzunehmen. Letztendlich fand
ich zu einem vollkommen anderen Verständnis des Lebens und
damit auch zu einem neuen Selbstverständnis.
Ich sah die Welt mit anderen Augen und ich
bewegte mich anders in ihr. Dabei war von außen betrachtet
alles wie vorher auch und doch war alles anders.
|
|
|
Transpersonales Bewusstsein
Die Wissenschaftler nennen dieses Bewusstsein
transpersonales Bewusstsein. Es lässt einen Ereignisse auf
einer tieferen, grundsätzlicheren Ebene wahrnehmen und
Zusammenhänge und Dynamiken erkennen und verstehen, die dem
Alltagsbewusstsein verschlossen sind. Ich wusste, dass diese
grundlegende Sicht auf die Dinge nicht nur mir, sondern jedem
Menschen zu mehr Lebensfreude, innerem Frieden und Zufriedenheit
verhelfen würde.
|
|
|
Die Suche nach Wegen
Mit diesem Wissen und aus meinen eigenen
Erfahrungen heraus begann mich die Frage zu beschäftigen, wie
man diesen Bewusstseinszustand anderen Menschen vermitteln kann.
Zen hat zwei Aspekte: Auf der einen Seite sehr klare und eindeutige
Aussagen über das Bewusstsein der Einheit des Seins und
über Satori sowie über das, was die Menschen hindert,
diesen Zustand zu erreichen.
Auf der anderen Seite teilweise sehr
widersprüchliche »Anweisungen«, was man tun
müsse, um Satori zu erlangen. Und wer findet es schon
erbaulich, vielleicht Jahre vor einer Wand zu sitzen, damit endlich
alles innere Wollen zerbrochen ist? Denn alleine darum geht
es:
|
|
|
Die Illusion des eigenständigen »Ich«
Die Vorstellung eines eigenständigen, aus
sich selbst heraus existierenden »Ich« aufzugeben, die
uns immer wieder die Sicht auf unsere wahre Natur verstellt. Zu
dieser Zeit begegneten mir die Texte von Krishnamurti und seine
(für mich) wichtigste Erkenntnis:
»Die Wahrheit ist ein pfadloses
Land.«
Mir wurde immer klarer, dass es nicht nur darum
geht, sich achtsam auf das Leben einzulassen wie es ist, sondern
vor allem darum, sich aus Konditionierungen, falschen
Wahrnehmungen, Identifizierungen und der Wirklichkeit nicht
entsprechenden mentalen Modellen zu befreien. Wie es der Zufall
wollte, stieß ich damals auf eine Website mit einer riesigen
Fülle von Texten und Gedanken zur Sprachkritik und Semantik.
Ein Text hat mich dabei besonders geprägt: Es war ein Text
über die Grenzen des rationalen Denkens und der Logik und
warum Logik die Welt nicht erklären kann. Da ich aufgrund
meiner Ausbildungen und meines Berufes im rationalen Denken
geschult war, waren mir die Ausführungen sofort logisch und
einsichtig. Mein Verstand erkannte und akzeptierte seine eigene
Funktionsweise. Und das ohne Protest. Damit hatte ich den
Schlüssel zur Befreiung meines Denkens:
|
|
|
Zen-Denken.
Ich hatte die Funktion meines Verstandes erkannt:
Er war nicht mein Feind, wie uns manche einreden wollen, sondern
ein treuer und ergebener Diener. Wie es im wirklichen Leben oft
auch ist, so war es auch hier: Ich musste ihn nur endlich in die
Pflicht nehmen.
Neben dem aus dem Zen entwickelten Welt- und
Menschenbild und daraus resultierenden Selbstverständnis und
dem gleichfalls aus dem Zen entwickelten Gedanken des Zen-Handelns
ist dies der eigentliche Kern des Dao-Zen: Das Zen-Denken, ein
Denken, das nichts verneint, aber auch an nichts anhaftet, ein
Denken, das den Dingen unbeirrt und beharrlich auf den Grund
geht.
Konditionierungen, falsche Vorstellungen,
Illusionen und Identifizierungen sind da ohne Chance. Der
dazugehörige Leitsatz ist:
|
|
|
»Die Welt ist, was ist!«
|
|
|
Innere Meisterschaft
Die weitere, darauf aufbauende Erkenntnis aus dem
Zen-Denken ist das Bewusstsein der Meisterschaft. Je mehr ich
meinen eigenen Geist befreien konnte, desto mehr erkannte ich die
Richtigkeit dieses Zitats von Vernon Kitabu Turner:
»Und als ich dann immer mehr loszulassen
begann, fand ich heraus, dass die Meisterschaft schon da war; ich
musste einfach nur aus dem Weg gehen und zulassen, dass sie sich
zeigte.«
Diese Erkenntnis war der Beginn des Weges
der inneren Meisterschaft für mich. Es ist für viele
Menschen eine der großen Herausforderungen zu erkennen, dass
die Grundlage unserer gesamten Existenz Geist ist, unser eigener
Geist. Und darum verstehen auch so wenige dieses Zitat, das dem
Buddha zugeschrieben wird:
»Der Geist ist alles. Was du denkst, das
bist du.«
Aus diesen Gedanken leitet sich der zweite
Leitsatz des Dao-Zen ab:
|
|
|
»Du bist, was du bist!«
|
|
|
|