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Zen-Denken
Nichts beeinflusst unser Leben so sehr wie unser
Gehirn und unser Geist, Verstand und Verständnis, Erkenntnis
und Logik, unsere Annahmen über Wirklichkeit und
Realität, Bewusstsein und Bewusstheit. Dabei sind uns alle
diese Begriffe derart selbstverständlich, dass wir sie selten
reflektieren und oft auch undifferenziert gebrauchen.
Dabei hat die Erkenntnis der Philosophen und
Weisen aller Traditionen, dass alles Geist ist, und dass nur Geist
wirklich ist, durch die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft eine
neue Bedeutung und Dringlichkeit für unser Leben bekommen, so
dass es absolut notwendig ist, sich mit dem Phänomen
»Geist« grundsätzlicher auseinander zu setzen.
In vielen Zen-Texten begegnet uns die Vorstellung
des Nicht-Denkens, die Aufforderung, das Denken und damit den Geist
vollkommen zur Ruhe zu bringen, weil eben diese »Bewegungen
des Geistes« unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit behindern,
manchmal sogar vollkommen verhindern. Dies wird als Ursache
dafür angesehen, dass viele Menschen nicht die Wirklichkeit
selbst wahrzunehmen in der Lage sind, sondern alleine ihre
Vorstellungen davon.
Im Zen-Denken geht es jedoch vordergründig
nicht um die Frage der Bedeutung oder des Wesens von Geist. Geist
als solchen kann man weder verstehen noch erklären, genauso
wenig, wie man die Fähigkeit des Menschen erklären
könnte, sich des Schönen, Guten und Wahren bewusst sein
zu können. Man kann aber erklären, wie diese
Fähigkeit gefördert und entwickelt werden können,
genauso, wie man erklären kann, was sie behindert.
Im Zen-Denken geht es daher darum, die
Realisierung des Geistes im Denken, in der Wahrnehmung, im
Bewusst-Werden und im daraus folgenden Bewusstsein zu erkennen und
zu fördern.
Denn eines ist sicher: Vollkommenes Nicht-Denken
ist in unserer Gesellschaft, Kultur und Arbeitswelt eine
unrealistische Vorstellung angesichts der Tatsache, dass wir circa
sechzig tausend Gedanken pro Tag haben.
Daher geht es im Zen-Denken vor allen Dingen
darum, das Denken zu klären und zu schulen, denn es zu
verhindern ist weder realistisch noch sinnvoll.
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