|
Das Selbstverständnis des Zen
»Lebe wie ein Buddha!« Dieser Satz
bedeutet weniger, nach Wegen zur Glückseligkeit und innerem
Frieden zu suchen. Betrachten die Menschen eine Buddha Statue, dann
nehmen sie den Ausdruck von Glückseligkeit und innerem Frieden
war, nicht aber das Eigentliche, die innere Ursache des
äußerlich Sichtbaren: Wahrhaftigkeit und der
unerschütterliche Willen, das Wesen der Dinge genauso wie das
eigene erkennen zu wollen.
»Lebe wie ein Buddha!« ist
gleichbedeutend mit dem Satz »Erkenne dich selbst!« oder
mit den Worten von Meister Eckehart: »Nim dîn selbes
wahr!«
Zen zu praktizieren heißt, in die eigene
Natur zu schauen, das eigene Wesen zu ergründen.
Meister des Lebens sein, statt das Leben
meistern zu wollen.
Fritz Perls, einer der großen
Psychotherapeuten und maßgeblicher Mitbegründer der
Gestalttherapie, hat einmal gesagt, dass sich die meisten Menschen
nicht wirklich von ihren Neurosen befreien wollen, sondern es
genügt ihnen, sich darin besser einzurichten.
Dahinter steht das Bedürfnis, das Leben zu
meistern. Wer so denkt ist (schon) zufrieden, wenn das
Überleben gesichert ist. Wie aber sollen die Menschen wissen
wie das Leben sein könnte, wenn sie es eben nicht wissen? Von
außen betrachtet ist es erkennbar, dass viele, vielleicht die
meisten Menschen sich nur in ganz engen Grenzen bewegen, Grenzen,
die für sie so selbstverständlich sind, dass sie gar
nicht erst auf die Idee kommen, sie infrage zu stellen, so real und
wirklich erscheinen sie ihnen. Weist man sie darauf hin, dass ihre
Grenzen selbst gemacht sind und nur in ihrer Vorstellung
existieren, erleben sie dies eher als Angriff auf ihre
Persönlichkeit und Identität statt als Chance zur
Befreiung.
Solange ein Mensch nicht mehr will, als sein
Leben zu meistern, solange wird sich ihm der »Heilige Gral des
Zen« nicht offenbaren.
Es trafen sich einmal zwei Wanderer. »Wohin
des Weges?«, fragte der eine. »Ich suche den heiligen
Gral!«, erwiderte der andere und fragte dann seinerseits
»Und wohin führt Sie der Weg?« »Ich bin auf der
Suche nach mir selbst«, war die Antwort. Nach einer Weile des
Nachdenkens gingen sie gemeinsam weiter. Die Geschichte zeigt, dass
der Heilige Gral, dass das Glück des Lebens, das die Menschen
suchen, allein in der Selbsterkenntnis liegt.
|
|
|
»Fortschritt« in der Zen-Praxis
Es ist ja schon eine Herausforderung sich
Gedanken darüber zu machen, was Erfolg ist und was Erfolg
für einen selbst bedeutet. Eine besondere Herausforderung aber
ist es, sich Gedanken darüber zu machen, was Fortschritt in
der Zen-Praxis ist, ist das Ziel der Zen-Praxis doch,
Absichtslosigkeit zu erlangen.
»Fortschritt« in meiner Zen-Praxis
bedeutet für mich
-
Still zu werden und zu sein
-
im Hier und Jetzt zu leben
-
die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist
-
das eigene Wesen und die Natur der Dinge zu erkennen
-
den Phänomenen nicht anzuhaften
-
zur vollen Bewusstheit erwachen
Zen zu praktizieren bedeutet nicht nur, sich aus
Konditionierungen, mentalen Konstruktionen und Identifizierungen zu
befreien, es bedeutet auch, wahrhaftig zu sein und wahrhaftig zu
leben.
Gandhi hat einmal gesagt »In den
Dingen der Welt verstrickt bleiben und auf Selbst-Erkenntnis hoffen
ist ein Ding der Unmöglichkeit.«
Bedeutet dies nun, dass wir, wollen wir ein
bewusstes und wahrhaftiges Leben führen, der Welt entsagen
müssen?
Sicherlich nicht, wohl aber bedeutet es, dass wir
dem Üblichen, dem so genannten »Normalen« und dem
uns oft so Selbstverständlichen entsagen müssen. Es
bedeutet auch, uns von den Ereignissen in unserem Leben immer
wieder von Neuem auslegen zu lassen und uns einzulassen auf das
Leben, wie es ist.
Das ist der Zen-Weg
In unserer heutigen Zeit den Zen-Weg zu
gehen heißt,
ihn im Alltäglichen zu sehen und zu
gehen.
Es ist das Streben nach
Vollendung
|
|