Imai sieht als den wichtigsten Unterschied zwischen den japanischen und westlichen
Managementkonzepten "Kaizen und die damit verbundene prozessorientierte Art zu denken
gegenüber dem westlichen innovations- und ergebnisorientierten Denken." Kaizen und
Innovation sind Unternehmensstrategien, die zum Fortschritt und Erfolg eines Unternehmens
beitragen. Nach Imai wird Kaizen, der Weg der kleinen Schritte, von japanischen, die
Innovation, der Weg der großen Schritte, von "westlichen" Unternehmen bevorzugt.
Unter Innovation versteht man einschneidende Veränderungen wie z.B. technologische
Neuerungen, neue Produktionsverfahren, etc., die meist mit hohen Kosten verbunden sind.
Innovationen verlaufen "dramatisch" und werden von den Konkurrenten bemerkt. Der durch
die Innovation erreichte Vorsprung wird durch die Reaktionen der Konkurrenten meist schnell
aufgeholt. Kaizen dagegen verläuft wenig spektakulär. Kaizen erfolgt, wie gesagt, in kleinen
Schritten. Aus diesen kleinen Schritten erfolgen marktnahe Verbesserungen, die dem
Unternehmen auf Dauer einen Wettbewerbsvorsprung sichern können. Während eine
Innovation eine einmalige, auf den sofortigen Profit gerichtete Aktion ist, handelt es sich bei
Kaizen um kontinuierliche kleine Aktionen, deren positive Ergebnisse meist erst im Laufe der
Zeit zu erkennen sind. Die Innovation ist, auch wegen dem meist hohen finanziellen Aufwand,
hauptsächlich in rasch expandierenden Märkten anzuwenden. Das auf Mitarbeiterorientierung
ausgelegte Kaizen dagegen, bringt auf gesättigten und schrumpfenden Märkten, auf denen die
Konsumenten immer höhere Ansprüche an die Qualität stellen und die Notwendigkeit Kosten
zu senken immer größer wird, die größeren Vorteile. Für die aktuelle Wirtschaftslage, die durch
langsames Wirtschaftswachstum und Übersättigung der Märkte gekennzeichnet ist, ist Kaizen
also, auf Dauer gesehen, sinnvoller als Innovationen, wobei jedoch notwendige Innovationen
nicht vernachlässigt werden dürfen.
In der folgenden Tabelle werden die Unterschiede zwischen Innovation und Kaizen noch einmal
übersichtlich dargestellt.
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Kaizen-Philosophie
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Innovationsphilosophie
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Devise
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Erhaltung und Verbesserung
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Abbruch und Neu-aufbau
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Veränderungsausmaß
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Kleine Schritte
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Große Schritte
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Veränderungsrhythmus
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Regelmäßige, kontinuierlich
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Unregelmäßige, abrupt
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Wirkung
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langfristig und andauernd,
aber undramatisch
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Kurzfristig, dramatisch
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Ressourceneinsatz
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Geringes Investment, großer
personaler Einsatz
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Großes Investment, geringer
Einsatz zur Erhaltung
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Erfolgsbasis
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Mensch
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Technik und Methode
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Erfolgskriterien
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Verbesserungsprozess
(Prozesskriterien)
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Ergebnisse (Ergebniskriterien)
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Vorherrschende Qualifikation
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Generalistentum
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Spezialistentum
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Kollegialität
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Teamorientierung
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Individualität
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Entscheidungsprozess
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Zirkulär, Anregungen und
Hilfe bei der Arbeit
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Linear, Delegation Autorität
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Informationsverfügbarkeit
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Teilung aller Informationen
auf Basis Vertrauen
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Geheim, hierarchisch
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Feed-back
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Umfassendes Feed- back,
kurze Regelkreise
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Eingeschränktes Feed- back
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Erfolgschancen
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Gleich bleibend hoch
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Abrupt und unbeständig
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Protagonisten
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Jeder Firmenangestellte
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Wenige »Auserwählte«
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Vorgehensweise
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Kollektivgeist,
Gruppenarbeit, Systematik
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»Ellenbogenverfahren«,
individuelle Ideen und Anstrengungen
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Vorteil
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hervorragend geeignet für
eine langsam ansteigende Wirtschaft
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hauptsächlich geeignet für
eine rasch ansteigende Wirtschaft
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Trotz, oder gerade wegen der genannten Unterschiede, darf jedoch nicht übersehen werden, daß
Kaizen und Innovation sich gegenseitig nicht ausschließen, im Gegenteil, sie ergänzen sich.
Wenn durch Kaizen an den vorhandenen Standards keine weiteren Verbesserungen mehr
erzielt werden können, ist es an der Zeit, eine Innovation durchzuführen. Diese wird durch
Kaizen solange verbessert, bis sie nicht mehr verbesserungsfähig ist und eine weitere
Innovation nötig wird. "Wird eine Innovation durch Kaizen ergänzt, so kann das theoretische
Erwartungsniveau der Innovation nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen werden", denn
eine Innovation verschlechtert sich ständig, wenn nicht, z.B. durch Kaizen, kontinuierlich
Bemühungen zur Verbesserung der Innovation unternommen werden. "In anderen Worten:
Bereits zur Erhaltung des Status quo bedarf es schon beständiger Anstrengungen."

Innovation ohne Kaizen, Quelle: Imai, Masaaki, Kaizen, S. 50

Innovation plus Kaizen, Quelle: Imai, Masaaki, Kaizen, S. 51




