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Die Kunst des Kaizen
»Wir sind was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.«
Buddha
Spricht man über Kaizen, muss man auch über Zen sprechen, schließlich ist Zen der geistige
Boden, auf dem Kaizen entstanden ist und den es braucht, um gedeihen zu können.
Die Sehnsucht der modernen Welt nach Entleerung vom Lärm der Masse und der Maßlosigkeit,
der Überdruss an der Oberflächlichkeit des »modernen« Alltags, dem Bedürfnis nach
Sinnhaftigkeit statt Aktionismus findet immer wieder neue Seelenverwandtschaften in dem
Prinzip der Leere, in dem sich in der Vorstellung des Zen- Praktizierenden die Fülle des Lebens
widerspiegelt.
Für viele ist Zen ein Weg, den Unzulänglichkeiten des Lebens begegnen zu können, um wieder
mehr zu sich selbst und zur eigenen Mittel zurück zu finden. Dabei ist Zen etwas vollkommen
anderes, etwas, das weit darüber hinausgeht.
So wie der wahre Künstler nicht die Absicht hat, etwas Schönes oder gar einen schönen
Gebrauchsgegenstand zu schaffen, sondern in seinem Kunstwerk nicht nur sich selbst, sondern
das Leben an sich zum Ausdruck bringen will, das was es bedeutet und ist, will auch Zen mehr
als innere Ruhe, Gelassenheit oder mentale Stärke zum Ausdruck bringen.
Am augenfälligsten zeigt sich dies in der Gestaltung eines Zen-Gartens und der darin zum
Ausdruck kommende Ruhe, Klarheit und Harmonie. Denn diese ist nichts Ziel, sondern Mittel.
Der Zen-Garten ist nicht einfach nur ein Garten der zum Verweilen einlädt, sondern ein
meditatives Refugium inmitten des Alltäglichen, ein Ort der Konzentration und geistigen
Sammlung, aus der heraus innere Gelassenheit und geistige Stärke entstehen. Er lässt den
Besucher schon auf den ersten Blick in seinem Innern spüren, dass sich ihm hier mehr offenbart,
als sein Auge erfassen kann.
Ein Zen-Garten steht symbolisch für den menschlichen Geist in seinem Idealzustand: Ruhig,
geordnet, klar und diszipliniert. Doch wie bei dem Geist ist dies nicht das Ziel, sondern soll das
eigentliche Ziel möglich machen:
Das eigene Wesen, die eigene Natur erkennen und darüber hinaus das Wesen der Dinge verstehen und
erfassen.
Zen ist keine Lebens-Philosophie, denn es versucht die Welt nicht zu erklären. Zen ist eine
Lebenshaltung, eine Art und Weise, dem Leben zu begegnen und sich mit ihm in Beziehung zu
setzen.
So wie die Kunst des Zen-Gartens ist jegliche Zen-Kunst, ob Kyudo, die Kunst eine Tasse Tee zu
trinken, Ikebana, Zen-Kochen, die Kunst der Tuschezeichnung oder des Haikun weniger eine
Kunst als ein Mittel, sich selbst und die Welt zu erfahren.
Warum erzähl ich Ihnen dies? Einfach deshalb, weil auch Kaizen eine Zen-Kunst ist.
Für den Zen-Praktizierenden sind die Welt des Geistigen und die Welt des Materiellen ein und
das Selbe.
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