Worin liegt nun aber der »Sinn« des Kaizen?
Wir sind es gewöhnt, an die Dinge, die uns in unserem Leben begegnen und beschäftigen,
»methodischen« heranzugehen. Das heißt, wir analysieren eine Situation mittels Logik und
mentaler Modelle und leiten daraus eine Lösung ab, die wir als Innovationen einführen. Den
damit gewonnene Zustand suchen wir zu erhalten, taucht ein Problem oder eine Schwierigkeit
auf, lösen wir dies auf die gleiche Weise.
Diese Art des Denkens verkennt, dass wir nicht wirklich in der Lage sind, die Dinge so zu sehen,
wie sie sind. Wir sehen nicht die Dinge an sich, sondern unsere Vorstellungen davon. Wollen
wir etwas »ändern«, stellen wir den jeweiligen »Zustand« fest und suchen dann nach einer
Lösung. Dabei geht das Bewusstsein dafür verloren, dass dieser Zustand nicht irgendwann
einmal »einfach so« da war, sondern dass dem ein Prozess zugrunde liegt. Bei genauer
Betrachtung können wir erkennen, dass alles, was wir tun, eine unendliche Kette von Ursachen
und Wirkungen ist, wobei nicht vorhersagbar ist, welche Wirkung auf eine spezifische Ursache
folgen wird.
Soweit man sich dessen bewusst ist, erkennt man einen spezifischen Zustand als Folge eines
Prozesses, der sich durch die verschiedensten Einflüsse und Bedingungen eben so ergeben hat.
Diese Rückschau ist hilfreich, sie verhindert jedoch nicht, dass zukünftig wieder Prozesse
entstehen, die nicht zu den gewünschten Resultaten führen.
Will man ein bestimmtes Ergebnis erzielen, dann macht es Sinn, den dafür notwendigen
(Handlungs-) Prozess zu definieren. Aber auch das garantiert das gewünschte Ergebnis nicht,
denn auch einfach scheinende Prozesse, sind so komplex und unterliegen so vielen Einflüssen,
dass sie selten wirklich vorhersehbar sind. Prozesse zu planen bedeutet also, sich auf einem
mehr oder weniger breiten Band von Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten zu bewegen.
Um nun den Prozess so zu gestalten, dass das gewünschte Ergebnis auch wirklich erreicht wird,
muss man in jedem Moment sicher sein können, sich innerhalb der Prozess-Toleranzen zu
bewegen. Einen Prozess derartig zu kontrollieren ist jedoch ein Ding der Unmöglichkeit, vor
allem würde es eine derartige Fülle von Messdaten bedeuten, dass man zu nichts anderem mehr
als zum Kontrollieren des eigentlichen Prozesses käme.
Das macht deutlich, dass sich Prozesse nicht wirklich bewusst gestalten lassen. Kontrollieren ja,
aber nicht in der Ausführung gestalten.
Das wiederum bedeutet, dass ein erheblicher Aufwand für die Erhaltung dieses Zustandes
geleistet werden muss. Störungen und Schwierigkeiten müssen eliminiert werden, was
regelmäßig dadurch zu erreichen versucht wird, dass man Abweichungen von der Norm zu
unterbinden trachtet.
Wie ich schon erwähnt habe, folgen unsere Handlungen aus unseren mentalen
Konditionierungen und Handlungsmodellen. Um einen Prozess zu optimieren, müssen wir uns
also
- aus unseren nicht-bewussten Konditionierungen und mentalen Modellen befreien und
- die Entstehung von neuen Konditionierungen durch Gewohnheiten verhindern.
Dies realisieren wir dadurch, dass wir eine Meta- Konditionierung »einführen«:




