Damit steht nicht mehr die Handlung als solche im Mittelpunkt unserer
Aufmerksamkeit, sondern die Qualität der Handlung.
Ich will dies an einem Beispiel erklären:
Ich habe eine ziemlich schludrige Handschrift, die ich manchmal selbst nicht mehr
lesen kann und auch einen ausgeprägten Hang zu Rechtschreibe- und
Grammatikfehlern, die schon meine Lehrer zur Verzweiflung brachten.
Eher zufällig ist mir aufgefallen, dass in dem Moment, in dem ich mich auf die
Qualität meines Schreibens konzentriere, also ganz bewusst schreibe, mir auch das
Geschriebene selbst bewusster wird. Die Folgen sind weniger Fehler und auch besser
formulierte Sätze, einfach deshalb, weil mir unstimmige Formulierungen schneller
auffallen. Achte ich nun noch darüber hinaus ganz genau auf das, was ich schreiben
will, wenn ich also den Gedanken nicht direkt zu Papier bringe sondern vorher erst
einmal seine Qualität sozusagen im Geiste zu spüren suche, verbessert sich meine
Ausdrucksweise sprunghaft.
Vielleicht erinnert Sie dies an die Aufforderung mancher Lehrer an Schulkinder,
»schön« zu schreiben. Das ist damit natürlich überhaupt nicht gemeint. Vielmehr
geht es darum, dass für mich im Moment des Schreibens nicht mehr das
Endprodukt, also der fertige Text, im Vordergrund steht, sondern die momentane
Handlung, das Schreiben.
Auf der einen Seite verlangsamt sich dadurch mein Schreiben bis hin zu regelrechten
Schreib-Pausen, insgesamt brauche ich jedoch wesentlich weniger Zeit. Ich fange
auch erst dann an zu schreiben, wenn der Text auch wirklich geschrieben werden
kann. Ich schreibe nicht mehr wie früher einfach drauflos, sondern beginne mit
einem Mind-Map, sammle Informationen und Gedanken bis dann mit einmal der
Text »da ist«.
Will ich einen guten Text schreiben, muss ich gut schreiben! Darum sagt man auch:
Der Weg ist das Ziel, denn der Weg entscheidet absolut und kompromisslos über
das, was erreicht werden kann.
Mich erinnert diese immer an Bergsteigen oder Bergwandern. Hat man nur Augen
für den Gipfel, kommt man sehr leicht außer Atem und gibt möglicherweise schon
frühzeitig auf. Achtet man jedoch auf die Qualität jedes einzelnen Schrittes, so
kommt man wesentlich angenehmer und oft auch noch schneller zum Gipfel,
einfach deshalb, weil schon im Gehen der Genuss liegt und nicht nur im Erreichen
des Gipfels.
Dass man eine solche Haltung nicht »per ordre di Mufti« einfach anordnen kann,
liegt auf der Hand. Man kann Menschen nicht dazu motivieren, vielmehr muss man
die Menschen finden, die bereit und in der Lage sind, mit einer solchen Haltung zu
arbeiten. Dabei bin ich der festen Überzeugung, dass es der Wunsch fast eines jeden
Menschen ist, so zu arbeiten, kreativ, eigenverantwortlich und selbstbestimmt.
Manchmal muss man diesen Wunsch nur wecken oder sich fragen, wodurch er
erstickt wurde.
Wo eine Kultur der Anweisung und des Forderns statt des Gestaltens und Förderns
herrscht, kann dies nicht gelingen. Kaizen ist keine Management- Methode, sondern
eine Kultur und Haltung gegenüber der eigenen Arbeit, die das ganze Unternehmen
umfassen muss.




