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Inhalte
Wesentlich werden, wesentlich sein
Unsere Wahrnehmungen, unsere Ansichten und unser Alltagsbewusstsein sind geprägt durch
Konditionierungen, Identifizierungen, gedankliche Konstrukte, Theorien und Methoden. Was
wir für die Realität halten ist meist ein gedanklich erzeugtes Bild; eine Vorstellung über die
Wirklichkeit, die uns den Zugang zur unmittelbaren Lebenserfahrung verstellt.
Intentionalität des Alltagsbewusstseins
Normales Bewusstsein ist immer auf etwas gerichtet, es ist ein Bewusstsein »von etwas«. Es ist
nicht in der Lage einfach nur wahrzunehmen; dem Wahrgenommenen wird eine Bedeutung
zugeschrieben. Diese Bedeutung geht nicht von dem Wahrgenommenen, sondern von dem
Betrachter, seiner Vorstellung und Intention aus; es geht uns um die Bedeutung, die die Dinge
für uns haben und nicht die Bedeutung, die sie für sich haben.
Die Kunst des klaren Sehens
Die Kunst der unmittelbaren Wahrnehmung, die von Konditionierungen und mentalen
Konstrukten freie Wahrnehmung lässt uns die Dinge unverstellt und unmittelbar in ihrer
eigenen Bedeutung und nicht in der durch unsere Vorstellung getrübten Sicht erkennen.
Das konsequente Hinterfragen und das Bewusstwerden der Wahrnehmung als solche macht
die die alltägliche Wahrnehmung beeinträchtigenden und verengenden Konzepte und
Konstruktionen sichtbar und baut sie ab. Dies führt zu neuen Erfahrungen, neuen
Erkenntnissen und damit zu neuen Möglichkeiten und Handlungspotenzialen. Eine offene
Haltung zur Wirklichkeit bildet sich heraus und zugleich eine gesunde Skepsis gegenüber
allem voreiligen Wissen oder Meinen.
Der Weg der Bewusstheit
Nichts ist besser geeignet unsere Gedanken zu klären wie die Philosophie und Weisheit des
Zen. Wer sich mit den Gedanken und der Philosophie des Zen beschäftigt, auf den üben sie
einen besonderen Zauber aus, dem man sich nur schwer wieder entziehen kann. Zen-Denken
ist ohne jegliches Theoretisieren oder lehrhaften Unterricht, frei von Mystik und frei von
Magie. Zen vermittelt auf seine besondere Art einen unmittelbaren Zugang zur Erkenntnis des
Wesens der Dinge und der eigenen Natur.
»Das soll nicht heißen, Zen sei der einzige wahre Pfad zur Erleuchtung. Man hat gesagt, der
Unterschied zwischen Zen und anderen Geistesschulen liege darin, dass
»alle anderen Wege sich
langsam den Berghang hinauf winden, Zen jedoch, gleich einer Römerstraße, alle Hindernisse
beiseite werfend, in schnurgeradem Lauf das Ziel ansteuert.«
Alan Watts
Die eingeschränkte Sicht des Alltags hinter sich lassen
Mit der Stärkung der Bewusstheit erkennen wir, dass die üblichen Vorstellungen und
Ansichten unseres Normalbewusstseins meist nur ein Abbild der Wirklichkeit sind, so wie
Begriffe keine Tatsachen sind, sondern bloß davon handeln.
Manchmal können gedankliche Modelle und Konzepte als Wegweiser hilfreich sein, allzu leicht
jedoch werden sie für den Weg selbst oder gar für das Ziel gehalten. Auf der Suche nach
Wahrheit kann man sich schnell in den eigenen gedanklichen Konzepten verfangen,
wohingegen das Denken des Zen uns immer wieder zurück zum Wesentlichen bringt, indem es
unsere gedanklichen Konstrukte zu zerstören sucht. Was übrig bleibt ist die lebendige
Wirklichkeit.
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