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Themen eines Retreats
Zur inneren Mitte finden und sich ausrichten, gedankliche Klarheit, innere Stärke und
Gelassenheit finden.
Begriffe und Themen
Dabei geht es mir nicht darum, Begriffe zu definieren, sondern an Hand von einigen Begriffen
die Themen des DAOZEN zu umreißen, aber auch, um mein Verständnis zu verschiedenen
Grundgedanken darzustellen.
Selbstentwicklung
Selbstentwicklung ist ein stufiger Prozess. Er beginnt mit der an psychischen Elementen
orientierten Entwicklung des Ich und des Selbst, was sich unter den Begriff der Selbst-
Ermächtigung zusammenfassen lässt. Dem folgt Idealerweise die Integration des so genannten
»Schatten«, verdrängter Lebensimpulse und nicht gelebter Wesensanteile. Die
Selbstentwicklung auf der psychischen Ebene mündet in die transzendente Selbstentwicklung
und -Entfaltung, die in die Selbsttranszendenz führt.
Autonomie
Das Wort autonom kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten für Selbst
(autos) und Gesetz (nomos) zusammen. Daraus leitet sich für mich unmittelbar der Wortsinn
»selbst regiert« ab. Autonom zu sein bedeutet frei zu sein in den eigenen Meinungen und
Entscheidungen, unabhängig in dem Sinne, dass man sich nicht nach den Erwartungen
Anderer richtet. Autonomie hat nicht nur den Aspekt von Eigen- und Selbstständigkeit.
Aus der Bewusstseinsforschung wissen wir, dass ein lebendiges System wie der Mensch von
außen definitiv nicht beeinflusst werden kann, auch wenn uns dies so nicht erscheint und
unsere Wahrnehmung eine andere ist. In diesem Sinne bedeutet Autonomie die
Verantwortung dafür zu übernehmen, was man tut, statt sich von Anderen oder Anderem
abhängig zu wähnen.
Authentizität
Authentisch zu sein heißt, alle Wesensteile, Emotionen und Gefühle integriert zu haben, ohne
irgend etwas zu verleugnen. Authentisch zu sein heißt gerade nicht, seinen Gefühlen immer
und überall Ausdruck zu verleihen, da sich die wahre Authentizität eines Menschen aus
seinem Menschsein ergibt.
Eigenständigkeit
Eigenständig zu sein bedeutet nicht, unabhängig zu sein. Die Vorstellung von Unabhängigkeit
und Abhängigkeit verkennt, dass alles miteinander verbunden ist und sich die Wirklichkeit
alleine durch Interdependenz zutreffend beschreiben lässt.
Eigenständig zu sein bedeutet, eine eigene Meinung zu haben und für sich und die eigenen
Ansichten zu stehen. Eigenständigkeit ist ohne jegliche Angepasstheit. Es bedeutet,
Beziehungen im Bewusstsein der gegenseitigen Bedingtheit und Verbundenheit achtsam zu
gestalten.
Identität
Die Identität eines Menschen definiert sich für viele erst einmal aus Identifikationen: den
gesellschaftlichen Rollen, die jemand hat, die körperliche und geschlechtliche Erscheinung,
Herkunft, sozialer Status und gesellschaftliche Zugehörigkeit.
Die Frage nach der Identität eines Menschen kann nur die / der Jeweilige für sich selbst
beantworten, denn eine Identität hat man nicht, also lässt sie sich auch nicht beschreiben.
Man kann sie nur als solche erleben.
Die Identität ist zu erst einmal das, womit sich jemand identisch fühlt, im Weiteren das, was
ein Mensch für sich an Wesenselementen integrieren kann, wie er sich und damit auch sein
Gegenüber durch sein Selbst-, Fremd- und Weltbild erkennt und definiert.
Identifizierung
Viele Menschen verkennen, in welchem Maße ihr Leben von Identifizierungen und den damit
einhergehenden Rollenmustern und Erwartungen verbunden ist. Identifizierungen verhindern
authentisches Sein. Sie sind die Maske, hinter der die meisten Menschen - oft unbewusst - ihr
wahres Wesen verbergen.
Lebensvision / Berufung
Die Lebensvision ist entweder etwas, was man aus der subjektiven Schau auf das eigene Leben
als lebenswert erkennt, oder das, was sich aus der objektiven Schau des eigenen Lebens als
Anspruch an sich selbst ergibt. Entweder man fragt sich, was man von Leben erwarten kann,
oder man fragt sich, was das Leben von einem erwartet.
Die zweite Variante fragt nicht nach dem, was einem selbst nutzt, sondern danach, wie man
dem Ganzen von Nutzen ist. Dementsprechend ergibt sich auch aus der Lebensvision die
Antwort auf das, wozu man sich entweder berufen fühlt oder wozu man berufen ist.
Verantwortung
Verantwortung und Autonomie bedingen sich gegenseitig. Es ist die Verantwortung für das
eigene Tun und Sein. Damit trägt man auch Verantwortung dafür, wie man mit den eigenen
Gefühlen und Emotionen »umgeht«,genauso wie mit den Emotionen und Gefühlen anderen
Menschen.
Das heißt nicht verantwortlich für das zu sein, was einem geschieht (es sei denn, man hat
unmittelbaren Einfluss darauf), sondern dafür, wie man damit umgeht und was man daraus
macht. Verantwortung heißt auch, aus dem Wissen, etwa dem, das man über sich selbst hat,
angemessene Handlungen und Reaktionen abzuleiten.
Empathie und Mitgefühl
Empathie ist eine grundsätzliche Fähigkeit aller fühlenden Wesen. Sie ist die Fähigkeit, sich
anderen Menschen jenseits von Mitleid mitfühlend zuwenden zu können. Das Ziel ist,
Empathie und Mitgefühl für alle Wesen haben zu können. Es ist die Grundlage dafür, wahrhaft
verstehen zu können. Dies setzt voraus, in Einklang mit sich selbst und mit eigenen, bisher
verdrängten, Wesensanteilen zu sein. Erst dann ist die Erkenntnis möglich, dass ohne
Einschränkung alle Lebewesen wie man selbst nach Glück und Zufriedenheit streben.
Wahrheit und Wirklichkeit
Wahrheit ist die Summe aller Wirklichkeit. Jeder Mensch erlebt auf der personalen Ebene nur
seine eigene Wirklichkeit, die geprägt ist von Konditionierungen, Identifizierungen und
mentalen Modellen. Mit zunehmender Erweiterung des Bewusstseins hin zur Transzendenz
wird die Wirklichkeit des Umfassenderen als transzendentaler Bewusstseinraum
wahrgenommen. Ob etwas »Wahrheit« ist, kann nur die Summe jeglichen Bewusstseins
beantworten. Die einzige Wahrheit die ich anerkenne, ist das, was ist, was nicht heißt, dass ich
das, was (wahr) ist, auch wahrnehmen könnte. Es gibt also Wahrheit. Die Frage ist, ob wir sie
auch erkennen können und ob die Wirklichkeit, die wir sehen, auch Wahrheit ist.
Realität und Wahrnehmung
Wahrnehmung ist ein mehrstufiger, vielschichtiger Prozess. Wahrnehmung beginnt mit dem
»mechanischen« Erkennen von Sinneseindrücken, die in einem mentalen Prozess zu der von
uns »wahrgenommen« Realität gestaltet werden.
Realität ist immer etwas Gestaltetes, die Welt an sich ist nicht unmittelbar wahrnehmbar.
Darüber hinaus ist Wahrnehmung ein erkenntnistheoretischer Prozess, der wiederum durch
die eigenen Konditionierungen und eigene Bedeutungsgebung grundlegend beeinflusst ist.
Die Kunst zu sehen
»Die Kunst zu sehen« ist ein Begriff von Jiddu Krishnamurti. Gemeint ist damit die
unmittelbare, von Konditionierungen und mentalen Modellen freie Wahrnehmung und
Erkenntnis. Das Konzept der phänomenologischen Wahrnehmung von Husserl entspricht
dem. Auch hier ist die unmittelbare, unverstellte Wahrnehmung, frei von Erkenntnistheorien
gemeint.
Einsicht & Erkenntnis
Wissen nützt in unserem Leben wenig, wenn es darum geht, uns selbst und menschliches
Handeln zu verstehen. Was wir brauchen ist Einsicht in das Wesen der Dinge. Daraus
wiederum folgt die Erkenntnis, die unser Fragen nach den Zusammenhängen einer Situation
beantwortet und uns in zukünftigen Situationen angemessen handeln lässt.
Aus diesem Grund darf man auch nicht die Frage nach dem Warum stellen. Fragt man
stattdessen nach dem Was, sucht man die Einsicht, geschieht die Erkenntnis, also die Antwort
auf das Warum, von selbst. Umgekehrt geschieht jedoch gar nichts.
Achtsamkeit
Achtsam zu sein, ist einerseits ein sinnlicher Zustand, ein »Ganz-Offen-Sein«, andererseits
eine innere Einstellung, der Welt zu begegnen. Es ist ungeteilte, entspannte Aufmerksamkeit
und Bereitschaft, wahrzunehmen, was ist.
Meditation
Meditation bedeutet "müheloses Verweilen in dem, was ist". Dieser Zustand wird durch
Beruhigen und Konzentrieren des Geistes und durch die Beobachtung der Gedanken
verwirklicht. Am Wirksamsten ist jedoch die ständige Identifikation (die einzig Erlaubte ..) mit
der eigenen Buddhanatur, und zwar nicht nur während, sondern auch außerhalb der
Meditationssitzungen, wie es im Diamantweg gelehrt wird.
Präsenz
Aus der zeitlich und örtlich nicht beschränkten Meditation, der steten Achtsamkeit und
bewussten Haltung weitet sich das Bewusstsein und wird - auch von Anderen - als
unmittelbares Gegenwärtigsein erfahren. Sich im Hier und Jetzt der eigenen Existenz bewusst
zu sein wird als Präsenz erfahren.
Präsent zu sein hießt den Raum, in dem man sich bewegt, einzunehmen und ihn auszufüllen
ohne ihn zu dominieren. Das ist der wesentliche Unterschied zu Dominanz: Alles andere hat
die »gleiche« Berechtigung. Der Raum der Präsenz ist der, in dem Hierarchien keinen
Bedeutung haben.
Bewusstsein
Bewusst zu sein heißt, sich seiner selbst bewusst zu sein. Dies drückt sich sehr gut in dem
Begriff des Spürbewusstseins aus. Damit ist nicht das Spüren von etwas gemeint, sondern das
Sich-selbst- Wahrnehmen. Dies ist weniger ein Körper-, als ein körperlich erfahrenes
Raumgefühl, das Gefühl von wahrnehmender Präsenz. Im Spürbewusstsein werden auch die
eigenen Gefühle als solche wahrgenommen.
Bewusstheit
Bewusstheit ist das Bewusstsein von Bewusstsein. Es ist der Raum, den ich als ich, als Selbst,
als Wesen, als Existenz einnehme. Bewusstheit ist intuitives Wissen, ein Wissen, das sich mit
Worten nicht ausdrücken lässt.
Karma
Karma bedeutet "Ursache und Wirkung", nicht Schicksal. Jeder ist für sein eigenes Leben
verantwortlich. Dieses Verständnis ermöglicht Handlungen, die zu Glück führen und
künftiges Leid vermeiden. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie wir mit
leidverursachenden Handlungen der Vergangenheit umgehen und ob wir sie zu hilfreichen
Lebenseinstellungen und Handlungen transformieren können.
Konditionierungen
Menschliches Handeln ist geprägt von Konditionierungen. Das Warum einer Konditionierung
spielt dabei nur eine nebensächliche Rolle, entscheidet ist, die Konditionierung zu erkennen
und sie ganz einfach zu lassen.
Freiheit
im Leben des Menschen geht es auch um die Freiheit, Dinge tun zu können. Dies ist jedoch eine
gesellschaftliche Freiheit. Die persönliche Freiheit besteht darin innerlich frei zu sein, frei von
Konditionierungen, Identifizierungen, Anhaftungen und falschen Wahrnehmungen.
Befreiung & Erwachen
Befreiung bedeutet die Erkenntnis, dass Körper, Gedanken und Gefühle in ständiger
Veränderung sind und deswegen kein beständiges Ich oder Selbst bilden können. Durch diese
Erkenntnis lebt man gelassener und bleibt von den »Schwierigkeiten« im Leben
unbeeindruckter. Man beginnt, das Leben auf eine neue Art zu genießen.
Unter Erwachen verstehe ich das Erwachen zur Bewusstheit der Einheit des Seins. In diesem
Bewusstsein löst sich das Gefühl des Getrenntseins auf. Das Trennende des dualen
Verstehens wird überwunden und mündet in tiefes Verstehen. Auch die Grenze zwischen
Beobachter und Beobachtetem schwindet, bis man eins mit der Erfahrung selbst wird. Dann
macht man keine Erfahrung mehr, man ist sie.
Dies ist der letzte Akt der Selbsterkenntnis, in dem das »Ich« in der Erfahrung aufgeht.
Advaita
Advaita ist die auf die Veden zurückgehende Lehre von der Nicht-Dualität (»Nicht-Zwei-
Heit«). Im klassischen Advaita-Vedanta ist dabei vor allem gemeint, dass Brahman (Gott) und
die individuelle Seele (Atman) nicht verschieden sind.
Viele Advaita-Richtungen gehen davon aus, dass das persönliche Selbst Gott ist bzw. mit Gott
identisch ist, neigen jedoch dazu, die Welt als »Maya« (Illusion) zu bezeichnen oder in ihr
einen »Traum Gottes« zu sehen.
Meine Definition von Advaita ist - erst einmal: Der gesamte Kosmos ist ein in sich
differenziertes Eines, das durch Bewusstheit gestaltet wird. Er ist nicht von außen
determiniert. Und doch strebt der Kosmos auf etwas (Höheres?) zu, da er sich ganz
offensichtlich entwickelt. Damit stellt sich die Frage: Welche «Bedeutung« hat (meine) Existenz
in diesem Ganzen?
Spiritualität
Spiritualität (v. lat.: spiritus = Geist, Hauch) bedeutet im weitesten Sinne eine Form von
Geistigkeit als Gegensatz zum rein rationalen Denken und einer materiellen Körperlichkeit. Sie
steht für die gelebte Verbindung zum Göttlichen und Transzendenten. Heute ist Spirituelles
zu einem vielfach verschwommenen Modewort geworden, über Esoterik und Lebenshilfe und
ist auch bereits in nahezu allen profanen Bereichen präsent.
Für mich bedeutet Spiritualität, wie ich mich als Mensch in Bezug zur Welt und zum Kosmos
sehe und welche Bedeutung ich in (auch der eigenen) Existenz sehe. Es ist Ausdruck einer
spezifischen Lebenspraxis.
Das TAO
Das TAO ist Ursprung allen Seins, so wie es auch alles Existierende ist.
Sich selbst zu erfahren heißt das TAO zu erfahren, das TAO zu erfahren heißt, sich selbst zu
vergessen. Das TAO ist sowohl kosmisches Prinzip wie der Kosmos selbst. Das Ziel ist, in
harmonischem Einklang mit dem TAO zu fließen.
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